Wilhelm Heile

Wilhelm Heile Foto:  Haus der Geschichte / Bestand Erna Wagner-Hehmke
Wilhelm Heile
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Haus der Geschichte / Bestand Erna Wagner-Hehmke

Wilhelm Heile – ein Pionier der europäischen Einigung

Der Abgeordnete der Weimarer Republik W. Heile war ein überzeugter Föderalist und Demokrat, der bereits am 25.11.1928 an der Gründung des Bundes für europäische Cooperation teilnahm.
Als Reichstagsabgeordneter für den damaligen Wahlkreis Achim-Verden-Hoya-Syke und später als enger Mitarbeiter von Friedrich Naumann wehrte er sich auch innerhalb seiner Partei und dem bürgerlichen Lager gegen die Zustimmung seiner Parteifreunde zum Ermächtigungsgesetz im März 1933 und gegen die Außerkraftsetzung der Weimarer Verfassung und hält weiterhin Kontakte zu linkssozialen Gruppen und Personen und späteren  Widerstandskreisen.

Nach dem II. Weltkrieg setzt die britische Militärregierung den politisch unbelasteten Wilhelm Heile im Sommer 1945 als hauptamtlichen Landrat der Syker Kreisverwaltung ein. Die Idee der Gestaltung eines friedlichen Europas treibt ihn zur Wiederaufnahme seiner Aktivitäten und Kontakte aus der Zeit vor seiner Verfolgung und inneren Immigration. Über Heinrich Ritzel, ehemaliger SPD-Reichstagsabgeordneter (seit 1939 Zentralsekretär der Schweizer Europa-Union) und auf Umwegen über niederländische und englische Teilnehmer erfährt Heile vom Treffen seiner europäischen Freunde im September 1946 im Schweizer Hertenstein und der dort verabschiedeten 12 Thesen zur Schaffung eines föderalen Europas. Eine Reisemöglichkeit für Deutsche bestand zu dieser Zeit noch nicht, auch die Teilnahme, zur Gründung der Union der Europäischen Förderalisten (UEF) im Dezember 1946 in Paris, ist nicht möglich. Deshalb lädt Heile in „seine“ Kreisstadt nach Syke bei Bremen zur Gründung einer deutschen Sektion ein, die bereits zu den folgenden europäischen Tagungen eingeladen wird. Dem Gründungsvorsitzenden W. Heile folgte als 1. Präsident der EUD Eugen Kogon, Vizepräsident wurde Carlo Schmid.

Ein mutiger Schritt, ein historisches Ereignis mit immensen Folgen findet vor Ort seine späte Würdigung im EuropaGarten mitten in der Stadt, in unmittelbarer Nähe zum Gründungsort.
Wilhelm Heile sah den Weg für die Einheit Deutschlands und dessen Rückkehr in die Völkergemeinschaft nur in einem föderal vereinigten Europa. Am Beispiel seiner Biografie lässt sich Geschichte gut erläutern, sein Gründungsaufruf im historischen Kontext betrachten und kritisch würdigen.
So steht auch die Idee zur Gestaltung eines EuropaGartens in Syke nicht losgelöst von den anderen Aktivitäten dieser Zeit. Aber auch eine Vernetzung zu aktuellen Ereignissen findet statt. Es gibt Treffen und kulturelle Festivitäten im EuropaGarten, sowie Führungen durch den EuropaGarten und zu den anderen europäischen Gedenkorten der Stadt. Ferner ist für 2015 eine Ausstellung im hiesigen Regionalmuseum zum Leben und Wirken von Wilhelm Heile geplant.
Heile muss als einer der wichtigsten Väter des europäischen Gedankens angesehen werden, auch wenn die Namen anderer Persönlichkeiten heute eher mit der Gründungsidee verbunden werden.